Malaria

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Englischer Begriff: Malaria, Intermittent Fever, Marsh Fever

Erreger

Plasmodium ovale und vivax (Malaria tertiana), Plasmodium malariae (Malaria quartana), Plasmodium falciparum (Malaria tropica).

Verbreitung

Tropen und Subtropen. Australien ist malariafrei.

Übertragung

Mückenstich (weibliche Anopheles) zwischen Abenddämmerung und Morgengrauen. Airport-Malaria, Blutübertragung, "Nadel-Malaria", Intrauterine und perinatale Infektion (extrem selten).

Inkubationszeit

Pl. ovale: 15 Tage (9 - 17), Pl. vivax: 14 Tage (8 - 27), Pl. vivax hibernans: 8 - 10 Monate, Pl. malariae: 3 - 4 Wochen (15 - 30), Pl. falciparum: 12 Tage (6 - 30). Chemoprophylaxe kann Inkubationszeit verlängern.

Symptomatik

Remittierendes Fieber, Anämie, Splenomegalie, Ikterus und neurologische Symptomatik. Fieberschübe: Kältestadium - Hitzestadium - Nässestadium. Fieberfreies Intervall mit Wohlbefinden.
Malaria tropica: Anfänglich unspezifisch wie Abgeschlagenheit, Muskel- und Gliederschmerzen und subfebrile Temperaturen. Im weiteren unregelmäßiges Fieber, auch ohne Fieber (algide Verlaufsform). Anämie, Splenomegalie und Ikterus. Thrombocytopenie. Cerebrale (Bewußtseinstrübung, Koma, epileptischen Anfälle), gastrointestinale (Ikterus, Durchfälle und abdominelle Schmerzen), renale (akute Niereninsuffizienz bis zum akuten Nierenversagen)
und pulmonale Symptome (Lungenödem, ARDS). Unbehandelt letal. Semiimmune: Oligo- und asymptomatischer Verlauf.
(historisch und heutzutage selten: Schwarzwasserfieber, Malariahämoglobinurie, hämoglobinurische Nephrose)
Malaria tertiana: Anfänglich Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Frösteln auf. Im weiteren Fieber, zunehmend rhythmisiert mit zweitägigen fieberfreien Intervall, unbehandelt bis zu zehnmal. Splenomegalie. Gutartiger Verlauf, selten letal.
Malaria quartana: ähnelt Malaria tertiana. Fieberrhythmus jedoch drei fieberfreie Tage. Malarianephrose als schwerwiegende chronische Komplikation mit prognostisch ungünstigem Verlauf.
Mehrfach- oder Mischinfektionen: Variierendes klinisches Erscheinungsbild. Chemoprophylaxe verlängert Inkubationszeit und schwächt anfänglichen Verlauf ab.

Rekrudeszenz und Rezidive: Durch asymptomatische Parasitämie von P. vivax und P. ovale (Blutschizogonie) bei Malaria tertiana nach bis zu 5 Jahren, bei Malaria quartana (P.malariae) noch nach Jahrzehnten möglich, kommt bei Malaria tropica nicht vor.

Komplikationen

M.tropica: schwere Anämie, Hypoglykämie, cerebrale Beteiligung (Bewusstseinseintrübung, psychiatrische und/oder neurologische Symptome, Koma, Krampfanfälle), Niereninsuffizienz bis zum Nierenversagen, Lungenödem, ARDS,
M. tertiana: häufige "Rezidive" (korrekter: Rekrudeszenzen)
M. quartana: Malarianephrose (Immunkomplex-Glomerulonephritis), schlechte Prognose;
langfristige Rekrudeszenzen;

Prognose

M. tropica: wenn Parasitämie über 10%, unbehandelt i.d.R. letaler Ausgang, bei komplizierter M. tropica nach Behandlung ca. 10% neurologische Folgeschäden.
Übrige Formen benigne

Diagnostik

Anamnese, (Auslandsaufenthalte, unspezifischen grippeartige Symptome, auch ohne Fieber (!), Wohnort in Flughafenumgebung, intravenös Drogenabhängige.
Blut: immer (!) direkter Parasitennachweis im peripheren Blutausstrich und im Dicken Tropfen, ggf. mehrfach, unabhängig vom Fieberschub.
Nur zusätzlich: Pf-HRP2 - Teststreifen (Mala quick TM). Antikörpernachweis im indirekten Immunfluoreszenztest (IIFT) oder passiven Hämagglutination (PHA), Mikrohämatokritanreicherung (QBC), Antigen-ELISA, Gensonden oder PCR.
Diagnostisches Problem: Infektion von Semiimmunen.

Differentialdiagnose

(WICHTIG: zuverlässiger Ausschluss der M.tropica), banale Infekte, Salmonelleninfektionen (Typhus), Septische Krankheitsbilder, u.a.; bei Bewusstseinsstörungen: Meningitiden, Encephalitiden (auch virale), fulminante Hepatitis, intracranielle Blutungen, schwere cerebrale Durchblutungsstörungen (TIA, Apoplex), metabolische Comata, Schockzustände anderer
Ursache

Therapie

Unkomplizierte Malaria tropica: Chloroquin, bei Chloroquinresistenz Pyrimethamin-Sulfadoxin, bei Multiresistenz Mefloquin, Malarone, Riamet (jetzt kaum noch: Halofantrin); Chinin, bei Resistenz Kombination mit Doxycyclin. Komplizierte Malaria tropica: Chinidindihydrochlorid (intravenös). Kontinuierliche Bestimmung der Parasitenzahl. Flüssigkeitszufuhr genau bilanzieren (Überwässerung!). ZVD messen (Lungenödem!). Blutbild, Elektrolyte, Blutgase, Blutzucker, Bilirubin, Transaminasen, Kreatinin und Harnstoff überwachen. Ggf. Dialyse. Keine Corticoide. Malaria tertiana und quartana: Chloroquin, bei Malaria tertiana zusätzlich Primaquin (Hypnozoiten - Leber).

Meldepflicht

Erkrankung und Tod.

Prophylaxe

Mückenstich verhindern (Expositionsprophylaxe) bzw. Vermehrungszyklus unterbrechen (Chemoprophylaxe).
Zur medikamentösem Prophylaxe (Chemoprophylaxe): Chloroquin, Proguanil (& Chloroquin), Mefloquin, Malarone in Abhängigkeit von Resistenzsituation (Zone A, B oder C), Verhalten und Reisedauer. Überbrückende Einnahme mitgegebener Notfallmedikation nur bei malariaverdächtigen Symptomen bis zum Erreichen ärztlicher Hilfe.

Immunisation

An einem Impfstoff wird seit langem geforscht.

Achtung

Nie Mefloquin & Halofantrin! Nie Mefloquin bzw. Halofantrin & Chinin.
Antimalariamedikamente haben enge therapeutische Breite!

Achtung

Aufklärung (Krankheitsverlauf und Letalität, Notwendigkeit rascher ärztlicher Diagnose, Übertragungsmodus, Expositionsprophylaxe, Chemoprophylaxe, Risikoverhalten, Schwangerschaft und Kleinkinder (Infomaterial) dokumentieren.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS