Lues

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Synonym(a)

Lues
Syphilis

Erreger

Treponema pallidum.

Verbreitung

Weltweit.

Übertragung

Mit Sexualkontakt durch intakte Schleimhaut und minimal verletzte Haut (Primäraffekt, nässende Sekundärläsionen). Intrauterin. Bluttransfusion (dann ohne Lues I).
Lues acquisita: Exogene Übertragung. Lues connata: Mutter auf Kind.

Inkubationszeit

3 Wochen (9 - 90 Tage).

Symptomatik

Stadienhaft verlaufende, systemische Infektionskrankheit.
Lues I: Primäraffekt an Eintrittstelle: Papel - Erosion - Ulkus durum, derb und schmerzlos. Evtl. Abklatschgeschwüre. Regionäre Lymphknotenschwellung. Primärkomplex: Primäraffekt, Lymphangitis und Lympadenitis.
Sekundäre

Inkubationszeit

6 - 8 Wochen.
Lues II: Prodromalsymptome: Kopfschmerz, Gelenkschmerzen, nächtlicher Knochenschmerz, Abgeschlagenheit, Schweißausbrüche und leichtes Fieber. Generalisierte Lymphknotenschwellung (Polyskleradenitis). Syphilide: Hautveränderungen der Lues II. Hautausschläge makulös, papulös, squamös oder pustulös. Syphilitisches Leukoderm: Weißliche Flecken nach abgeheilten Exanthem. Syphilitische Alopecie: Mottenfraßartiger Haarausfall. Plaques muqueuses bzw. opalines: Plaqueartige Schleimhautveränderungen der Mundschleimhaut und Zunge. Angina specifica: Befall der Tonsillen. Condylomata lata: Im Genitoanalbereich flache, nässende Papeln.
Lues maligna: Schwere Verlaufsform der Lues II bei mangelnder Immunabwehr.
Latenzphase = Lues latens seropositiva: Zwischen Lues II und III. 2 - 15 oder mehr Jahre.
Lues III: Syphilome: Hauterscheinungen bei Lues III. Effloreszenzen tubero-serpiginös, tubero-ulzerös, tubero-squamös oder ulzerös. Gummata: Derbe, subkutane Granulome, geschwürig einschmelzend. Interstitielle Entzündungen in allen Organen möglich. Mesaortitis luica: Am aufsteigenden Aortenast, Aortenaneurysmabildung, Rupturgefahr.
Lues cerebrospinalis: Entzündliche Veränderungen im Bereich der Meningen und Gefäße des ZNS. Symptomatik nach Verlauf und Lokalisation unterschiedlich. ZNS: Kopfschmerzen, Augenmuskellähmungen, Pupillenträgheit, reflektorische oder absolute Pupillenstarre, Stauungspapille, Optikusatrophie, Hirnnervenschädigung, Hirntumorsymptomatik mit fokalen oder generalisierten Krampfanfällen. Rückenmark: Neuralgien, Parästhesien, Lähmungen, Blasen-, Darm- und Potenzstörungen.
Quartäre Lues - Meta-Lues: Nach 10 - 20 Jahren Tabes dorsalis, tabische Organkrisen und progressive Paralyse. Tabes dorsalis: Ataxie, Blasen- und Mastdarmstörungen, Areflexie, lanzinierende Schmerzen, Analgesie, Hypästhesie oder Anästhesie, Störungen des Temperaturempfindens und der Tiefensensibilität. Am Auge reflektorische Pupillenstarre mit Anisokorie, entrundeter Pupille und Miosis (Argyll-Robertson-Pupille). Tabische Organkrisen (Magen, innere Organe, Schlundbereich und Geschlechtsorgane): Intensiven Schmerzen mit sekretorischen und motorischen Erscheinungen. Progressive Paralyse: Psychopathologisch stumpf, demente, depressiv-hypochondrische, expansiv-manische oder agitierte Zustandsbilder. Später diffuses hirnorganisches Psychosyndrom.
Lues connata: Infektion des Feten ab 5.Schwangerschaftsmonat. Verlauf abhängig vom Infektionszeitpunkt der Mutter: Abort - Lues connata praecox - Lues connata tarda.
Lues connata praecox: Syphilitische Krankheitserscheinungen bereits beim Neugeborenen: Untergewichtig, welke, gelbliche, greisenhafte, schlaffe Haut, schlechte Weiterentwicklung, infektionsanfällig. Anämie, Hepatosplenomegalie. Blutiger Schnupfen. Pneumonie, Hepatitis oder Osteochondritis. Bei Epiphysenlösung Pseudoparalyse. Effloreszenzen entsprechend Lues II. Narbige Abheilung von Papeln an den Lippen mit Parrot´schen Furchen. Subepidermale Blasen an Handtellern und Fußsohlen. Luische Alopezie und Paronychie.
Lues connata tarda: Tabes dorsalis und Paralyse im Jugendalter. Labyrinthtaubheit, Erblindung und syphilitische Zahnanomalien (Hutchinson´sche Trias).
Syphilitische Stigmata: Defektheilungen einer Lues connata praecox: Parrot´schen Falten, Quadratschädel, Olympierstirn, Sattelnase, gotischen Gaumen und Türkensäbeltibia.
Frühlues: Primärkomplex (Lues I) und Syphilide (Lues II). Spätlues: Lues latens seropositiva und Lues III.

Diagnostik

Klinische Verdachtsdiagnose, serologische Bestätigung.
Direkter Erregernachweis (Dunkelfeldmikroskopie) im Reizserum.
Serologische

Diagnostik

Testergebnis mit zweiten Blutentnahme kontrollieren. Endemische Treponematosen ausschließen. Suchtest TPHA, Bestätigungstest FTA-Abs. Beurteilung der Krankheitsaktivität mit IgM-FTA-Abs. Verlaufskontrolle mit VDRL und IgM-FTA-Abs.
Serologische Testverfahren:
Liquorkontrolle bei Verdacht auf Neurolues, Lues latens und unbehandelter Lues unbekanntem Zeitraums oder über 2 Jahre.

Achtung

Erreger nicht-venerischer Treponematosen morphologisch, serologisch oder bakteriologisch nicht von venerischen Treponematosen unterscheidbar.

Therapie

Penicillin, ggf. Depot. Allergien, Jarisch-Herxheimer-Reaktion. Alternativ Tetracyclin oder Erythromycin. Serologische Kontrolluntersuchungen nach Therapie bis 2 Jahre (Frühlues) bzw. 5 oder mehr Jahre (Spätlues, Neurolues). Liquorkontrolluntersuchungen (Spätlues, Neurolues).

Meldepflicht

Angeborener Lues (Erkrankung und Tod), Lues (Erkrankung).


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS