Leishmaniose, cutane (Orientbeule)

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Synonym(a)

Cutane und Mucocutane Leishmaniose
(Orientbeule - Aleppobeule - Baghdadbeule - Dehlibeule - Chiclero´s Ulcer - Espundia - Uta), Diffus kutane Leishmaniose, Rezidivierende Leishmaniose, Dermales Post-Kala-Azar Leishmanoid

Erreger

Leishmaniosen der Alten Welt: Leishmania tropica Komplex. Leishmaniosen der Neuen Welt: Leishmania mexicana Komplex und Leishmania brasiliensis Komplex.

Verbreitung

Leishmaniosen der Alten Welt: Mittelmeerraum, Süd- und Ost-Europa, Naher und Mittlerer Osten, Nord- und West-Afrika, vereinzelt Ost-Afrika und Indien. Leishmaniosen der Neuen Welt: Mittel- und Südamerika.
Vektor: Phlebotomen (Sandmücken, engl. sandflies), Gattung: Phlebotomus spp. (Alte Welt) und Lutzomyia spp. (Neue Welt), nacht- und dämmerungsaktiv, 2 - 4 mm klein, stark behaart, Stich schmerzhaft, meist an dünnen Hautstellen.

Übertragung

Phlebotomenstich (neueren Erkenntnissen zufolge womöglich auch durch Stich der Gattung Lasiohelea, einer Gnitzenart), Bluttransfusion, kongenital und Laborinfektionen.

Prophylaxe

Schützende Kleidung, Repellents, Insektizide und engmaschige Bettnetze (0,5 mm).

Inkubationszeit

2 Wochen - 3 Jahre.
Krankheitsbilder: Abhängig von Erregerart und Abwehrlage des Wirtes.

Symptomatik

Kutane Leishmaniosen der Alten Welt erregerabhängig verschiedene Erscheinungsbilder: L.t. tropica: Papelbildung - Ulkus (2-4 cm, aufgeworfene Rändern, trocken, verkrustend) - Abheilung nach 1/2 - 2 Jahren mit Narbe (hypopigmentiert, eingezogen). Gelegentlich rezidivierende Leishmaniose (RL). L. t. major: Ulkus (exsudativ, schlechte Heilungstendenz). L. t. aethiopica: Unkomplizierten Hautleishmaniose, nachfolgend hohe Inzidenz einer diffusen kutanen Leishmaniose (DCL).
Kutane Leishmaniosen der Neuen Welt erregerabhängig unterschiedlich. Gemeinsam: Stärkeres Ausmaß der Ulzeration und schlechterer Heilungsverlauf. L. b. brasiliensis: Späterer Schleimhautbefall. Mukokutane Verlaufsform: "Espundia". L. b. panamensis: Ulcera mit Satellitenläsionen (leicht blutend, schlecht heilend, 5-10 cm). L. b. guyanensis: Papel- und Knotenbildung, leicht blutendes entlang der Lymphgefäße metastasierendes Ulkus. L. b. peruviana: Unkompliziertes, meist selbstheilendes Ulkus, "Uta" genannt. Narbe (hyper-, später eine hypopigmentiert mit radiärer Streifung). L. m. mexicana: Unkompliziertes Hautulkus, nach 12 - 18 Monaten eine spontane Selbstheilung. "Chiclero´s ulcer" genannt. L. m. amazonensis: Einzelne oder multiple noduläre, selten ulzerierende Läsionen, neigt zur diffusen kutanen Leishmaniose (DCL).
Mukokutane Leishmaniose der Neuen Welt: L. b. brasiliensis: Während oder nach kutaner Leishmaniose tritt oft mukokutane Leishmaniose auf. "Espundia" genannt. Befall nasaler Schleimhaut. Gewebsdestruktion schreitet über Nasen-Rachen-Raum rasch vorwärts zur Uvula, Gaumen, Zunge, Larynx und Trachea. Sekundär- und Superinfektionen. Aspirationspneumonie.
Rezidivierenden Leishmaniose (RL) nach kutaner Leishmaniose (L. t. tropica): Chronische Verlaufsform kutaner Leishmaniose mit neuen Ulzerationen.
Diffus kutane Leishmaniose (DCL): schlecht abheilende, solitäre, nicht ulzerierende, knoten- oder plaqueförmige Läsionen, oft im Gesicht. kein Schleimhautbefall, keine Ulzera.
Dermales Post-Kala-Azar Leismanoid (DPKL): Parasitenaussaat nach unzureichend therapierter viszeraler Leishmaniose (Kala Azar). Hypopigmentiert, erythematös oder nodulär.

Achtung

Bei verminderter Abwehrlage können Erreger der kutanen bzw. mukokutanen Leismaniose visceralisieren.

Diagnostik

Nach Stich nicht heilendes Ulkus. Aus Randwall ggf. nach Krustenentfernung Materialgewinnung (Skarifikation, Aspiration, Biopsie). Abklatschpräparate. Kultur auf speziellen Medien. Histologische Untersuchung. PCR.

Therapie

Kutane Leishmaniose (CL) der Alten Welt: Nicht zwingend, jedoch bei wachsenden Ulcera oder Ulcera im Gesichtsbereich. Periläsional fünfwertige Antimonpräparate. Multiple Läsionen systemisch, ebenso rezidivierende Leishmaniose (RL). Kryochirurgie, Küretage. Kutane Leishmaniosen (CL) der Neuen Welt neigen zur mukokutanen Verlaufsform. Therapie systemisch. Mukokutane Leishmaniose (MCL) zwingend systemisch. Diffus kutane Leishmaniose (DCL) therapierefraktär.
Dermales Post-Kala-Azar Leishmanoid (DPKL): Therapie der Grundkrankheit (viszerale Leishmaniose) mit fünfwertigen Antimonpräparaten.

Bemerkung: ärzte, die Patienten mit einer Form der Leishmaniose behandeln, werden gebeten der Melde- und Referenzstelle im Institut für Tropenmedizin Berlin per Fax, E -Mail oder Briefpost über die von Ihnen beobachtete Erkrankung zu berichten.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS