Hanta-Virus

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht




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- 11.05.2015 - Panama - - 07.05.2015 - Argentinien -

Synonym(a)

Je nach Verlaufsform/Virusart: Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS), Nephropathia epidemica, Hantavirus-induziertes kardiopulmonales Syndrom (HCPS) bzw. Hantavirus-assoziiertes pulmonales Syndrom (HPS)

Erreger

Genus Hanta-Virus (Bunyaviridae) mit verschiedenen Subtypen (z.B. Andes-, Dobrava-, Hantaan-, Puumala-, Seoul-, Sin-Nombre- und Tula-Virus).

Verbreitung

Weltweit, mit geografischen Unterschieden bei den verschiedenen Subtypen, z.B.:
Andes-Virus: Südamerika (Argentinien und Chile)
Dobrava-Virus: Balkan, Mitteleuropa
Hantaan-Virus: Südostasien, östliches Russland, Südeuropa
Puumala-Virus: Europa
Seoul-Virus: vermutlich weltweit, genaue Verbreitung jedoch unbekannt
Sin-Nombre-Virus: Nordamerika, insbesondere im Westen der USA und Kanadas
Tula-Virus: Mitteleuropa

Die amerikanischen Subtypen rufen das HPS hervor, in der Alten Welt manifestiert sich die Krankheit als HFRS. Generell scheint dabei in Ostasien die schwerere Form des HFRS aufzutreten, während in Europa die Fälle meist leichter verlaufen. Diese mildere Form wird als Nephropathia epidemica bezeichnet.

Die höchste Inzidenz in Europa findet sich in Skandinavien, auf dem Balkan und in Russland.

Übertragung

Das Erregerreservoir sind verschiedene Nager, die mit Speichel, Fäkalien und Urin große Mengen an Erregern ausscheiden. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch orale oder respiratorische Aufnahme der Erreger sowie durch Kontakt verletzter Haut mit kontaminiertem Staub und durch Bisse. Nur bei dem hochvirulenten Andes-Virus gibt es Hinweise auf eine mögliche Übertragung von Mensch zu Mensch, bei den in Europa und Asien vorkommenden Virustypen findet eine solche Übertragung nicht statt.

Inkubationszeit

In der Regel 12 - 21 Tage (selten: 5 – 60 Tage).

Symptomatik

Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS, in Asien und Europa):
Bis zu einem Drittel der Infektionen verlaufen inapparent. Zwei Drittel aller apparenten Fälle verlaufen relativ mild: Es kommt zu Fieber, Petechien, geringen Blutungen und Proteinurie; diese Symptome heilen ohne Folgen aus.
Bei 20-30% der Erkrankten ergibt sich ein schwererer Verlauf: Nach einer plötzlich einsetzenden febrilen Phase (3-7 Tage Dauer) mit retroorbitalen Schmerzen, Myalgien, konjunktivalen Blutungen und Petechien von Haut und Schleimhäuten kommt es vorübergehend zu Hypotonie, Tachykardie und evtl. Bewußtseinsstörungen. Eine akute tubuläre und interstitielle Nephritis kann dann zunächst zu Oligurie mit Hypertonie führen; begleitend treten Erbrechen, gastrointestinale und zerebrale Blutungen, Hämaturie, selten Lungenödem auf. Das Schicksal des Patienten entscheidet sich in dieser Phase. Anschließend kommt es zur diuretischen Phase (5. Krankheitswoche) mit einer Urinausscheidung von 3-6 l/ Tag. Die Genesung verläuft protrahiert. Eine Anämie kann Monate persisitieren. Die Letalität beträgt 5–15%.

Nephropathia epidemica (Europa):
Dies bezeichnet die mildere, in Europa verbreitete Form des HFRS. Hier kommt es selten zu hämorrhagische Manifestationen. Akute Glaukomanfälle, eine Beteiligung des ZNS, Myokarditiden und intestinale Blutungen können als extrarenale Komplikationen auftreten. Die Letalität liegt bei unter 1%.

Hantavirus-assoziiertes pulmonales Syndrom (HPS):
Nach einer abrupt einsetzende fiebrile Phase (3 – 9 Tage) mit unspezifischen Symptomen wie abdominalen Schmerzen, Erbrechen, Übelkeit, Myalgien, Schwäche- und Schwindelgefühlen setzen Husten, Tachypnoe und Dyspnoe ein. Es kommt zur kardiopulmonalen Dekompensation mit Lungeninfiltration (pulmonales ödem) und der Entwicklung eines rapid progredienten Atemnotsyndroms (ARDS). Die Letalität liegt bei 40–50%.


Diagnostik

Die Erregerisolation ist im Tierversuch und in Zellkulturen zu Krankheitsbeginn möglich. Serologischer Nachweis im Immunfluoreszenztest und ELISA. IgM-Antikörper sind nur einige Wochen nachweisbar, wohingegen die 14 Tage nach Krankheitsbeginn auftretenden IgG-Antikörper jahrelang persistieren.

Therapie

Es steht noch keine spezifisch gegen den Erreger wirksame Therapie zur Verfügung, die Behandlung erfolgt rein symptomatisch. Zu Krankheitsbeginn kann eine Behandlung mit Ribavarin (10-20 mg/ kg/24 h) im Gegensatz zu alpha-Interferon günstig sein. Bei akutem Nierenversagen kann eine vorübergehende Hämodialyse erforderlich sein.

Prophylaxe

Impfstoffe sind noch nicht verfügbar. Expositionsprophylaxe bietet daher den einzigen Schutz. Unter anderem sollten daher in unmittelbarer Umgebung des Menschen Nager vehement bekämpft werden, beim Reinigen möglicherweise kontaminierter Fläche sollte nass gewischt werden, um Aerosolbildung zu vermeiden.

Meldepflicht

Hantavirus-Infektionen sind in Deutschland gemäß IfSG seit dem 01.01.2001 meldepflichtig.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS