Anisakiasis

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Synonym(a)

Anisakidose, Heringswurmkrankheit

Engl.: Anisaciasis, Herring Worm Disease, Cod Worm Disease

Erreger

Anisakis simplex (Heringswurm; Rundwurm, Nematoda), aber auch andere wie A. genera, weiterhin Pseudoterranova decipiens, Contracaecum spp. U.a..

Verbreitung

Weltweit im Salzwasser, besonders häufig an europäischen (Niederlande, Frankreich, Skandinavien u.a.), japanischen (Japan) und kanadischen (Nordamerika) Küsten , Neuseeland und pazifischen Inseln. Sporadisch in Südamerika (Pazifik).

Entwicklungszyklus, Pathogenese:
Endwirte dieser Nematoden sind Meeressäuger (Delphine, Wale, Seehunde, Seelöwen, Tümmler) oder Vögel. Die mit dem Kot der befallenen Meeressäuger ins Meereswasser abgegebenen Eier des Parasiten werden von Krebsen (1. Zwischenwirt) aufgenommen , die von Fischen (2. Zwischenwirt) verzehrt werden. Durch Aufnahme des dritten Entwicklungsstadiums in diesen Fischen infiziert sich der Mensch, der selbst jedoch ein Fehlwirt ist, da sich die Larven in ihm nicht zum adulten Wurm weiterentwickeln können. Die Larven bohren sich zwischen ösophagus und Enddarm, meist im Magen und Duodenum, in die Mucosa ein und können über das Peritoneum in die Muskulatur gelangen und verursachen Ulzera oder eosinophile Granulome. Die Larve erreicht im Menschen eine Größe von 2 - 3 cm.

Übertragung

Die Infektion des Menschen erfolgt mit Aufnahme der Larven in rohen oder ungenügend erhitzten Salzwasserfischen (Sushi, Sashimi, Ceviche, Gravlax, Matjes, geräucherter, marinierter oder gesalzener Fisch u.a.) Tintenfischen oder Octopus. Räuchern, marinieren und pökeln töten die Larven nicht ab! Die Larven können über Wochen im Essig überleben. Eine Infektion durch Fischimporte oder gekauften Fisch ist möglich.

Inkubationszeit

1 bis 12 Stunden (gastrointestinale Erstsymptome), 7 bis 14 Tage (Dünn- und Dickdarm-Symptome).

Präpatenz

Im Stuhl der Patienten sind keine Eier nachweisbar.

Patenz

bis zu mehreren Wochen

Symptomatik

Abhängig von der Anzahl der aufgenommenen Larven und vom Ort des Eindringens in die Mucosa mit den dadurch verursachten ösophagitis, Ulzera oder eosinophilen Granulomen. Innerhalb 24 Stunden nach einer Fischmahlzeit können kolikartige Bauchschmerzen (im Oberbauch) mit Erbrechen und Fieber auftreten, selten auch Urtikaria und allergische Reaktionen. Im Stuhl kann okkultes Blut nachgewiesen werden. Selten tritt Durchfall auf. Neben einer Leukozytose besteht eine leichte Eosinophilie (< 10%). Seltener kommt es zum Dünndarmverschluß, Ileitis und Appendicitis. Daneben können bei einzelnen Patienten auch allergische Reaktionen wie eine Urtikaria bis zur Anaphylaxie auftreten. Diese allergische Form kann mittels Hauttests und Messung Anisakis-spezifischer IgE bestätigt werden, wobei solche IgE auch bei asymptomatischen, exponierten Individuen vorkommen. Da die auslösenden Allergene temperaturstabil sind, sollten prophylaktisch diätetische Maßnahmen getroffen werden.

Prognose

In den meisten Fällen ist die Erkrankung selbstlimitierend, selten chronische Manifestation.

Diagnostik

Hinweisend ist die Erhebung der Anamnese, da die kurz zurückliegende Fischmahlzeit noch erinnert wird. Im weiteren können die Larven in der Mucosa bei einer Endoskopie/ mucosaler Biopsie nachgewiesen werden, auch die histologische Untersuchung der Granulome ist hinweisend. Es existieren serologische Nachweismethoden (Western Blot, IIFT, KBR, HAT), wobei Kreuzreaktionen gegenüber Ascariden und anderen Nematoden bestehen. Im Stuhl sind keine Eier oder Parasiten nachweisbar. Weiterhin möglich: Röntgenologische Untersuchungen und Gastroskopie.

Differentialdiagnose

Die Symptomatik kann in Abhängigkeit vom Ort des Eindringens einem Magen- oder Duodenalgeschwür oder einer Appendicitis gleichen.

Therapie

Im akuten Stadium ist die endoskopische Entfernung der Larven angezeigt, bei kompliziertem Verlauf ein chirurgischer Eingriff (Exzision der Läsion). In Deutschland ist kein Medikament zur Therapie zugelassen. In anderen Ländern befinden sich Avermectine in Erprobungsstadien. Zum Beispiel kann Albendazol alle Symptome innerhalb von drei Wochen lindern (Lancet 2002; 360:54).

Prophylaxe

Sichere Verhütung der Infektion ist durch Erhitzen (mindestens 70°C) oder Tiefgefrieren der Fische (-20° C mindestens 24h) möglich. Auch sollten die Fische ausreichend gesäubert werden, um allergische Reaktionen durch die Aufnahme toter Larven zu verhindern.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS