Darminfektion/Diarrhoe/Durchfall

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therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht




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siehe Ruhr/Dysenterie (Shigellose)

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- 30.04.2015 - Nepal -

Symptom Reisediarrhoe

Reisediarrhoe ist eine sehr häufige Reiseerkrankung. Je nach Urlaubsregion erkranken 1/3 - 2/3 aller Reisenden. Die Urlaubsregionen unterscheiden sich deutlich in ihrer "Durchfall-Quote":
Europa und Nordamerika < 5 %
Süd-Ost-Asien 25 %
Lateinamerika 25 - 30 %
Zentral-Afrika 40 %
Jüngere Reisende sind in der Regel häufiger betroffen. Nur wenige erkranken so schwer, daß sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen und nahezu niemand verstirbt daran. Abgesehen von den Krankheitserscheinungen ist Reisedurchfall für Reisende vor allem deswegen bedeutend, da mit ihm wertvolle Urlaubstage verstreichen.
Übertragung
Die Übertragung erfolgt typischerweise fäkal-oral. Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene sind wesentlich für die Vorbeugung der Reisediarrhoe. Allein die richtige Trinkwasseraufbereitung setzt
Vorkenntnisse voraus, die durch reisemedizinische Beratung an den Reisenden gebracht werden muß. Die Lebensbedingungen in den Tropen sind schlecht. Viele versuchen sich im Straßenverkauf etwas dazu zuverdienen. Viele beherrschen das Strecken von Getränken. Schraubverschlüsse und Kronkorken werden dabei derartig abgenommen und wiederaufgesetzt, daß es oft unmöglich ist, zu erkennen, ob das Getränk bereits geöffnet und mit hygienisch bedenklichen Flüssigkeiten gestreckt wurde. Sicher sind daher Getränke in Büchsen mit Laschenverschlüssen, ebenso Getränke mit hohem Kohlensäureanteil, die von internationalen Konzernen hergestellt werden und in der Regel entsprechende Hygiene gewährleisten (beispielsweise Coca® Cola) können. Hitze tötet in der Regel viele Krankheitserreger ab. Das
setzt jedoch voraus, daß die Lebensmittel durchgekocht sind und Erreger in ihrem Inneren nicht überleben lassen. Trockene Lebensmittel sind meist sicherer als feuchte, da Krankheitserreger Feuchtigkeit lieben. Rohe Lebensmittel, ganz besonders Salate und Meeresfrüchte sind gefährliche Infektionsquellen. Verunreinigtes Besteck und Geschirr können sämtliche vorherigen Anstrengungen zunichte machen, sodaß Krankheitserreger z.B. über die gesamte Schnittfläche von Früchten verteilt werden können. Auch Obst, welches mit verunreinigten Fingern geschält wurde, kann zu Darminfektionen führen. Unter tropischen Klimabedingungen ist frisch zubereitete Nahrung innerhalb kurzer Zeit mit Keimen neubesiedelt bzw. inzwischen von Insekten angeflogen und damit verunreinigt worden. Durchfall, aber auch Lebensmittelintoxikationen stellen sich schnell ein. Mitdenken, und nochmals Mitdenken ist angesagt. Um es in wenige Worte zu fassen: "Boil it, cook it, peel it or forget it - Brüh es, koch es, schäl es oder laß es!".
Oft macht es die Erregermenge aus, welche über eine mögliche Infektion entscheidet. Bereits innerhalb der Gruppe der Bakterien bestehen große Unterschiede:
Vibrio cholerae Cholera 1011
ETEC Reisedurchfall 108 - 1010
Salmonella typhi Typhus 104
Shigella spp. Ruhr 102

Durchfall
Unter Durchfall versteht man mindestens drei oder mehr ungeformte Stühle innerhalb 24 Stunden mit einem oder mehrerer folgender Krankheitszeichen: Übelkeit, Erbrechen, Stuhldrang,
Bauchschmerzen, Tenesmen, Fieber, Blut- oder Schleimauflagerungen auf dem Stuhl. Bei Auftreten von Fieber, Blutbeimengungen oder Bauchkrämpfen spricht man von komplizierten Durchfall. Bei
akuten Durchfall besteht die Symptome meist 2 – 7 Tage, maximal bis zu 4 Wochen. Bei chronischen Durchfall besteht die Symptomatik über Monate. Bei Durchfall sollte immer auf sichtbare
Beimengungen wie Blut, Schleim, Eiter oder Fett geachtet werden.
Erregerspektrum
Reisediarrhoe wird meist durch tritt meist durch Bakterien (- 75 %) und Viren (- 20 %) verursacht. Aufgrund der kurzen Inkubationszeiten treten Beschwerden daher bereits innerhalb weniger Tage auf.
Protozoen und Helminthen sind seltenere Ursachen der Reisediarrhoe (- 5 %), dafür häufiger Ursache von chronischer Diarrhoe im Anschluß nach Tropenaufenthalten.
Insbesondere im Rahmen von Tropenkrankheiten sind zwei Krankheiten immer auszuschließen:
Malaria tropica
Sie kann unter Dominieren gastrointestinaler Symptome wie fiebriger Durchfall, teils auch blutig, selten auch ohne Fieber auftreten. Bei dieser Symptomatik wird oft lange nicht an Malaria gedacht. Bis dann Malaria differentialdiagnostisch erwogen wird, ist es oft schon sehr spät, gelegentlich zu spät.
Amöbiasis und Amöbenleberabszeß
Im Rahmen einer Amöbiasis kann es bereits nach wenigen Tagen, aber auch erst lange später zu fiebrigen und blutigen Durchfällen kommen. Mit dem Blutweg verschleppte Amöben können in der
Leber zu einer raschen und unberechenbaren Abszeßbildung führen, auch ohne vorherige gastrointestinale Symptomatik.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS