Filariose

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Synonym(a)

Fadenwurminfektion, Filariasis
Englischer Begriff: Filariasis (Philariasis)

Erreger

Parasitische Fadenwürmer (Nematoda) der Überfamilie Filarioidea (Filarien), z.B. Wuchereria bancrofti, Brugia malayi, Loa loa (Wanderfilarie oder Augenwurm), Onchocerca volvulus

Verbreitung

Wuchereria bancrofti: hauptsächlich in den tropischen Regionen Chinas, Amerikas, Asiens, Afrikas und des Pazifiks.
Brugia malayi: Ost- und Südostasien, Reservoir sind neben dem Menschen auch Katzen, Hunde und Affen.
Loa loa: tropisches West- und Zentralafrika.
Onchocerca volvulus: tropisches Afrika (hier 99 % der Fälle) außerdem Jemen, Zentral- und nördliches Südamerika (südliches Mexiko, Guatemala, Venezuela, Brasilien, Kolumbien und Ecuador). Das Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf Feuchtregionen entlang schnell fließender Flüsse.

Übertragung

Wuchereria bancrofti und Brugia malayi: durch Stechmücken (Culiciden), insbesondere der Gattungen Aedes, Culex, Anopheles und Mansonia.
Loa loa: Bremsen (Tabanidae) der Arten Chrysops dimitiata und Chrysops silacea.
Onchocerca volvulus: Kriebelmücken (Simuliidae) der Gattung Simulium.

Entwicklungszyklus, Pathogenese:
Alle parasitären Filarien haben einen Lebenzyklus mit Wirtswechsel, bei dem stechende Insekten Zwischenwirte sind, und der Mensch der Endwirt ist. Bei Brugia malayi und Wuchereria bancrofti siedeln sich die adulten Filarien im Lymphsystem an, wo die Weibchen große Mengen von Mikrofilarien absetzen, die dann wieder in die peripheren Blutbahnen eindringen. Hier treten sie vor allem nachts auf, wenn die sie übertragenen Mücken aktiv sind.

Bei Loa loa leben die adulten Würmer leben im subkutanen Fettgewebe. Die weiblichen Filarien geben die Mikrofilarien ins Gewebe ab, die danach über die Lymphgefäße in das Blut gelangen. Dort treten sie um die Mittagszeit auf, wo sie von Bremsen aufgenommen werden.

Bei Onchocerca volvulus wandern die Larven nach der Übertragung durch Kriebelmücken ein bis zwei Jahre durch das Bindegewebe und gelegentlich durch die Augen. Adulte Würmer überleben jahrelang eingekapselt in subkutanen Knoten (Onchozerkom). Die von den Weibchen produzierten Mikrofilarien wandern durch die Lymphspalten des Bindegewebes und werden schließlich in den Blutkreislauf eingeschwemmt. Mikrofilarien befallen auch die Augen und bewirken so die Sehbehinderungen.

Inkubationszeit

Wuchereria bancroft und Brugia malayi: bis 16 Monate.
Loa loa: bis mehrere Jahre.
Onchocerca volvulus: 9-24 Monate

Symptomatik

Wuchereria bancrofti und Brugia malayi verursachen lymphatische Filariasis. Milde Verläufe führen lediglich zu rezidivierenden Lymphadenitis und Lymphangitis. Schwere Verläufe entwickeln sich zu Elephantiasis tropica, welche sich durch extreme Wucherungen des Bindegewebes in den Armen und Beinen, an den Genitalien und den Brüsten äußert.

Loa loa: Loiasis (auch Loaose, Kamerunbeule oder Calabar-Schwellung) - allergisch verursachte, stark juckende Schwellungen der Haut. Nach einigen Tagen klingen die Schwellung ab, treten typischerweise dann aber an anderer Stelle wieder auf. Gelegentlich kriecht der Wurm auch unter der Bindehaut über den Augapfel und wird dann sichtbar. Die Erkrankung ist in der Regel sehr unangenehm, allerdings nicht gefährlich. Siekann aufgrund der langen Lebensdauer der Würmer (>10 Jahre) ein chronisches Problem darstellen. Spätkomplikationen können Herzklappen- und Nierenschäden sowie Meningitiden sein.

Onchocerca volvulus: Onchozerkose (Onchozerkiasis) - entweder asymptomatischer Verlauf oder eine bis drei der folgenden Manifestationen: Hautausschlag, subkutane Beulen (Onchozerkome) sowie Sehbehinderungen (durch Mikrofilarien im Auge), die bis zur Blindheit führen können (bei ca. 10 % der Erkrankten).

Diagnostik

1. Mikroskopie: Identifikation der Mirkofilarien von Wuchereria bancrofti, Brugia malayi und Loa loa durch Untersuchung des Bluts (wichtig: Periodizität des Auftretens der Mikrofilarien beachten: W. bancrofti und B. malayi in der Nacht, L. loa mittags), bei Onchocerca volvulus durch Untersuchung von Hautschnitten.
2. Antigensuche: Schnelltest vorhanden für W. bancrofti.
3. PCR: möglich für W. bancrofti.

Therapie

Lymphatische Filariose und Loiasis: Diethylcarbamazine (DEC) (6mg/kg/Tag) über 12 Tage. Vorsicht ist geboten bei Patienten mit gleichzeitiger Flussblindheit oder Loiasis, da DEC die Augenerkrankungen verschlimmern kann.

Flussblindheit: Ivermectin (150µg/kg, maximal 12 mg) alle 6-12 Monate. Ivermectin tötet den Parasiten nicht ab, sondern reduziert lediglich die Anzahl der Mikrofilarien in der Haut, so dass die Krankheit nicht weiter fortschreitet.

Prophylaxe

Es gibt weder Impfungen noch Chemoprophylaxen. Adäquate Expositionsprophylaxe bietet daher den einzigen Schutz.
Eine Infektion mit Flussblindheit bei Touristen ist selten, da die Krankheit zum einen vor allem in ländlichen Gebieten auftritt und zum anderen mehrere Insektenstiche nötig sind. Besonders gefährdet sind daher höchstens Abenteuerreisende, Wissenschaftler und Entwicklungshelfer, die sich längere Zeit (>3 Monate) in Endemiegebieten aufhalten.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS