NSP - Neurotoxic Shellfish Poisoning

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therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Krankheitsnamen:
NSP - Neurotoxic Shellfish Poisoning

Erreger

Brevetoxin (Florida Red Tide toxin) wird produziert vom Dinoflagellaten Karenia brevis (Ptychodiscus brevis, Gymnodinium breve).

Verbreitung

Gymnodinium breve: Florida, Mexiko, North-Carolina und Karibik, immer mit deutlich visuell wahrnehmbaren Algenblüten (und eventuell Fischsterben) im Spätsommer assoziiert. ähnliche Arten kommen weltweit vor.

Entwicklungszyklus:
G. breve besitzt relative fragile Zellen, die häufig bei starkem Wellengang an den Küsten leicht zerbrechen und die Toxine freisetzten, die dann oft gebunden an Salzpartikel in aerolisierter Form vorliegen und mit dem Wind transportiert werden können. Die Toxine wirken auf Fische, Vögel und Säugetiere. G. breve kann zwei verschiedene Typen fettlöslicher Toxine bilden: hämolytische und neurotoxische Toxine. Brevetoxin ist ein lipophiler Polyether und wirkt neurotoxisch, ist geruch- und geschmacklos, hitze- und säurestabil. Vom Brevetoxin gibt es verschiedenen Typen (PbTx-1; PbTx-2; PbTx-3). Am häufigsten wird PbTx-2 produziert. Brevetoxin führt zur Daueraktivierung der Natriumkanäle. Substanzen, die für die öffnung von Natrium-Kanälen verantwortlich sind, werden durch Brevetoxin depolarisiert, die Folge ist ein unkontrollierter Natrium-Einstrom in die Zellen.

Übertragung

Orale Aufnahme entsprechender Meeresfrüchte, zusätzlich kann es zur Inhalation toxischer Aerosole kommen, die durch Wellenbewegung gebildet werden können. Die respiratorischen Wirkungen hören nach einigen Hundert Metern Entfernung vom Strand jedoch auf.

Inkubationszeit

Wenige Stunden nach Aufnahme der Toxine.

Symptomatik

Zwei Formen der klinischen Manifestation gibt es:
1. eine akute Gastroenteritis mit neurologischen Symptomen (nach Aufnahme der Toxine mit der Nahrung - NSP im engeren Sinn).
2. respiratorische Störungen im oberen Atmungstrakt (nach Inhalation der Toxine) mit Konjunktivitis und unproduktivem Husten. Selten treten hierbei auch Verwirrtheit, Tunnelblick und Hautirritationen auf.

Prognose

Todesfälle sind bisher nicht bekannt. Im Gegensatz zu Ciguatera erholen sich die Patienten meist innerhalb weniger Tage.

Diagnostik

Basiert auf dem klinischen Szenario: Gastrointestinale und neurologische Symptome nach dem Verzehr von Schalentieren aus dem Meer. Oder respiratorische Symptome nach dem Aufenthalt in Strandgebieten mit deutlich sichtbaren Algenblüten. Die Toxine sind in Lebensmitteln sehr schwer zu detektieren: Maus-Bioessay, Fisch-Bioessay. Eine FPLC ist in der Entwicklung.

Differentialdiagnose

Die nach oraler Aufnahme entsprechender Meeresfrüchte hervorgerufenen Symptome ähneln sehr stark denen der Ciguatera. Hier stehen jedoch die neurologischen und gastrointestinalen Erscheinungen im Vordergrund.

Therapie

Bei Aufnahme in aerolisierter Form Atemmasken (Partikelfiltermasken) und schnelles Verlassen der betroffenen Strandgebiete. Bei Asthmatikern kann bei Exposition über die Luft prophylaktisch Cromolyn oder Chlorpheniramin eingesetzt werden.

Prophylaxe

Zur Zeit bestehen verschiedene vorsorgliche auf Zählungen der Zellzahlen von K. brevis im Wasser basierende Monitoring Programme. Verzicht auf den Genuss von Schalentieren. Verlassen des Strandes bei deutlich sichtbaren Algenblüten.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS