Salmonellose

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Krankheitsnamen:
Salmonellose, Salmonellen - Enteritis

Erreger

gramnegative Stäbchenbakterien, ca. 120 humanpathogene Serovare vorhanden, Salmonella enteritidis, Salmonella typhimurium am bedeutendsten.

Verbreitung

treten weltweit als sporadische Fälle, Familienerkrankungen oder als Epidemien auf.

Entwicklungszyklus:
Humane Salmonellosen sind meist lebensmittelbedingte Erkrankungen. Salmonellen wachsen von 10 - 47 °C, in einigen Fällen bereits ab 6 - 8 °C. überleben in der Umwelt und in oder auf verschiedenen Lebensmitteln bis zu mehreren Monaten. Werden durch Einfrieren nicht abgetötet. Salmonellen können sich sowohl aerob als auch anaerob vermehren. Nicht zu diesen Erkrankungen gehören Typhus und Paratyphus, bei denen es sich um schwere systemische Infektionen mit Darmbeteiligung handelt. Saurer Magensaft hat bakterizide Wirkung, daher sind für eine Erkrankung hohe Keimzahlen notwendig. Personen mit wenig Magensäure, z.B. alte Menschen oder Kinder, sind deswegen besonders gefährdet. Die Enteritis-Salmonellen verursachen eine lokale Infektion des Dünndarms und des oberen Dickdarms. Sie dringen in die Zellen der Darmschleimhaut ein und schädigen diese durch die Freisetzung von Toxinen (Darmtoxikoinfektion).

Übertragung

Infektionsquelle sind oft infizierte eiweißreiche nicht ausreichend erhitzte Nahrungsmittel, z.B. Milch, Käse, gefrorenes Geflügel, Hackfleisch, Rohwurstsorten, besonders frische Mettwurst, Fleischsalate, Hamburger, rohe Eier und Speisen, die rohe Eier enthalten, z.B. Eierschäume, Cremes, Konditoreiwaren, Mayonnaise und Speiseeis. Für Infektion sehr hohe Keimzahlen nötig (ca. 1.000.000 bis 1.000.000.000). Infektionen selten auch über den Verzehr von Sprossen, Tomaten oder geräuchertem Aal. Übertragung durch direkten Kontakt mit salmonellenausscheidenden Tieren nur sehr selten, eventuell nur bei Heimtieren wahrscheinlich. Übertragung von Mensch zu Mensch selten als Hospitalinfektion oder unter hygienisch ungünstigen Bedingungen. Sehr selten durch direkten Blutkontakt.

Inkubationszeit

sehr kurz: wenige Stunden - 3 (7) Tage.

Symptomatik

Abhängig von der Disposition des Erkrankten, den Erregereigenschaften und der Infektionsdosis. Meist wässrige, oft auch Cholera-ähnliche Durchfälle (selten blutig). Bei etwa 5 % der Infizierten zusätzlich systemischer Verlauf. Charakterisierung vor allem durch plötzlich auftretendes Unwohlsein, heftige Bauchschmerzen, wässrige Durchfälle, Erbrechen und Kopfschmerzen. Fieber kann auftreten. Schüttelfrost ist selten. Nach 2 bis 3 Tagen, seltener nach 1 Woche, hören die Durchfälle auf. Die Patienten erholen sich rasch, wenn der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen wird. Bei schweren klinischen Fällen treten Schüttelfrost, höheres Fieber, Kollaps und weitere systemische Krankheitsbilder mit typhoidem Verlauf auf. Oft kommt ein leichter oder symptomloser Verlauf vor, der u.a. auch von der aufgenommenen Keimzahl abhängig ist. Die Keimausscheidung von Enteritis-Salmonellen dauert im Mittel drei bis sechs Wochen, bei Säuglingen aber auch über Monate. Dauerausscheidung bis zu sechs Monateen ist relativ selten. Diese gelegentlich bei Kindern vorkommenden Langzeitausscheider bedürfen keiner weiteren Behandlung (aber wichtig für Zulassung von Kindereinrichtungen!).

Komplikationen

Bei schweren Durchfällen und gleichzeitigem Erbrechen oft Austrocknung (trockene belegte Zunge, eingesunkene Augen, klanglose Stimme, Blutdruckabfall und Wadenkrämpfe). Durch Flüssigkeitsverluste Risiko von Thrombosen. Selten extraintestinale Infektionen wie Perikarditis, neurologische Erkrankungen, reaktive Arthritis, Spondylitis, Osteomyelitis u.a..

Prognose

Die Letalität bis zu 5 %, schwerere Verläufe meist bei Kindern, älteren Menschen und immungeschwächten Personen.

Diagnostik

Die Verdachtsdiagnose ergibt sich aus dem Leitsymptom Durchfall und der Krankengeschichte, z.B. plötzliche Erkrankung mehrerer Personen, die an gemeinsamen Mahlzeiten teilnahmen. Erregernachweis erfolgt im Stuhl, Rektalabstrichen, Erbrochenem, aber auch aus verdächtigen Lebensmitteln und Speisen. Blutkulturen nur bei typhösem Verlauf, serologische Untersuchung von geringer Bedeutung, weitere komplexe Feindifferenzierung durch im Nationalen Referenzzentrum für Salmonellen und andere Enteritiserreger des Robert Koch-Institutes - Bereich Wernigerode, 38855 Wernigerode, Burgstr. 37, Tel. 039 43-67 90, Fax 039 43-67 92 07 und (bei Lebensmittelproben) im Nationalen Referenzlabor für Salmonellen des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, BgVV, 12277 Berlin, Diedersdorfer Weg 1, Tel. 030-8412-2233, Fax 030-8412-2953.

Differentialdiagnose

Gastroenteritiden anderer ätiologie oder deren Toxine (z.B. Campylobacter, Yersinien, Shigellen, darmpathogene E. coli), verschiedene Viren und darmpathogene Protozoen. Oft Verwechslung mit dem "akuten" Bauch.

Therapie

Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlusts (Mischung aus 3,5 g Kochsalz, 40 g Zucker, 2,5 g Natriumbikarbonat (gibt es als Backpulver zu kaufen) und 1,5 g Kaliumchlorid auf 1 Liter Wasser), Überwachung der Kreislauffunktionen. Antibiotikatherapie bei gastroenteritischem Verlauf meist nicht sinnvoll (verlängerte Keimausscheidung mit dem Stuhl), Antibiotika meist nur bei Säuglingen und Kleinkindern (Cotrimoxazol oder Ampicillin über 5 Tage), bei typhösem Verlauf oder bei schweren Grunderkrankungen wie Leukämie, AIDS, nach Organtransplantationen oder durch höheres Alter abwehrgeschwächte Personen. Cotrimoxazol (Erwachsene zweimal täglich zwei Tabletten) oder Ampicillin (Erwachsene täglich 3-4 g, Kinder 100 mg/kg), Bei Erwachsenen auch Fluorochinolone wie Ofloxacin (zweimal täglich 0,4 g) oder Ciprofloxacin (zweimal täglich 0,5 g) möglich. Bei Chemotherapie immer Resistenzbestimmung erforderlich.

Prophylaxe

Sicherung ausgezeichneter hygienischer Verhältnisse besonders in der Lebensmittelindustrie, Säuglingsheimen, Gesundheitseinrichtungen, Großküchen und bei der Gewinnung, Be- und Verarbeitung, Lagerung, Transport und Verkauf von Lebensmitteln, insbesondere tierischen Ursprungs. Individuelle Maßnahmen sind:
1. Eiweiß- und wasserhaltige Speisen und Lebensmittel heiß oder unterhalb 10 °C lagern.
2. Speisen nicht längerfristig warm, d.h. unter 60 °C halten. Sichere Abtötung der Salmonellen bei Temperaturen über 70 °C für mindestens zehn Minuten.
3. Bei vorgekochten Speisen möglichst kurze Abkühlzeit zwischen 60 ºC und 10 ºC
4. Verzehr warmer Speisen innerhalb von zwei Stunden nach der letzten Erhitzung.
5. Auftauwasser (von gefrorenen Speisen) separat auffangen und sofort in den Ausguss schütten (heiß nachspülen). Alle Gegenstände, die damit in Berührung gekommen sind, und die Hände sofort danach gründlich mit möglichst heißem Wasser reinigen.
6. Beim Kochen mit der Mikrowelle keine zu kurzen Garzeiten wählen, beim Aufwärmen von Speisen müssen 70 °C überschritten werden.
7. Instantprodukte sind immer nur kurz vor dem Verzehr zuzubereiten.
8. Strenge Beachtung der persönlichen Hygiene.
9. Verwendung und häufiger Wechsel von kochbaren Küchentüchern.
10. Händedesinfektion mit alkoholische Desinfektionsmittel, Wasser und Seife erst nach Ablauf der angegebenen Einwirkzeit verwenden.

Immunisation

Eine durchgemachte Erkrankung hinterlässt keinerlei Immunität. Keine Schutzimpfung!

Meldepflicht

Verdacht, Erkrankung, Tod und gesunde Dauerausscheider.

Achtung

§§ 6, 7, 31, 34, 42, 43 des IfSG


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS