Vibrio vulnificus

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Krankheitsnamen:
Vibrio vulnificus Infektion, Vibrio vulnificus Sepsis, Vibrio vulnificus Gastroenteritis

Erreger

Vibrio vulnificus, Fam. Vibrionaceae, opportunistische, begeißelte, gramnegative, aerobe, fakultativ anaerobe, halophile, gekrümmte Stäbchen, nicht Sporen bildend.

Verbreitung

Im Meer- und Brackwasser wärmerer Klimazonen natürlich vorkommend, optimale Bedingungen bei Temperaturen von über 20°C, in den letzten Jahren aufgrund der Erwärmung der Meere Ausbreitung nach Norden, Auftreten z.B. in Nordamerika, Japan und in der Ostsee. Die Erkrankung ist nicht sehr häufig, jedoch gibt es weltweit wahrscheinlich mehr Infektionen, als angenommen wird, da es kein abgestimmtes Meldesystem gibt. Das Auftreten korreliert nicht mit der fäkalen Verschmutzung oder der Nährstoffsituation des Wassers.

Pathogenese:
Beim Menschen führen die Bakterien zu Darminfektionen (Durchfallerkrankungen), zu Wundinfektionen nach Baden in kontaminiertem Wasser oder auch zu schwerer Sepsis (sekundäre Sepsis nach Wundinfektion, primäre Sepsis nach Nahrungsmittelinfektion). Kontaminationen von Nahrungsmitteln mit V. vulnificus verändern nicht den Geschmack, Geruch oder die äußere Erscheinung von Nahrungsmitteln.

Übertragung

Orale Infektion über Wasser (Baden im Salzwasser) oder Nahrung, hauptsächlich nach dem Genuss von nicht ausreichend erhitzten oder marinierten Meeresfrüchten (z.B. Austern), Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt, Infektionen beim Baden (Wundinfektionen) z.B. nach Verletzung der Haut (z.B. Schürf- und Schnittwunden). In der Literatur wurde auch über Lungeninfektionen bei vor dem Ertrinken geretteten Personen und Endometritis nach Sexualkontakt im Wasser berichtet. Wegen der Salzbedürftigkeit von V. vulnificus spielt eine Übertragung durch den Genuss von Trinkwasser im Gegensatz zu Vibrio cholerae keine Rolle.

Inkubationszeit

Generell immer kurz, bei Gastroenteritis bis 16 Stunden, bei Wundkontakt wenige Stunden.

Symptomatik

Bei Gastroenteritis (bei sonst gesunden Personen) treten Magen-Darm-Beschwerden wie akuter Brechdurchfall und Bauchkrämpfe auf (meist leichte nicht blutige Cholera-ähnliche Durchfälle). Bei einer Gastroenteritis bei älteren Menschen, solchen mit Vorerkrankungen oder Immunschwäche (Diabetes mellitus, hämatologische Erkrankungen, Kortisontherapie, AIDS), besonders bei Menschen mit Leberschäden, kann es auch zu einer primären Sepsis mit schwerem Verlauf (Fieber und Schüttelfrost) bis hin zu Schock und Kollaps mit Todesfolge, begleitet durch Hautschädigungen (sekundäre Blasenbildung) kommen.
Wundinfektionen breiten sich oberflächlich sehr schnell und großflächig aus. Es können hierbei auch die Muskelfasern angegriffen werden wobei umfangreiche Nekrosen und Septikämien verursacht werden können. Wundinfektionen führen zu Hautschäden wie Ulzerationen aber auch zu lebensbedrohlichen Blutvergiftungen (sekundäre Sepsis) und Multiorganversagen mit Todesfolge. Auch bezüglich der Wundinfektion sind besonders chronisch Kranke und abwehrgeschwächte Personen gefährdet. Wundinfektionen von V. vulnificus sind meist schwerer als die durch V. parahaemolyticus verursachten. Infektionen mit Vibrio vulnificus haben generell häufig längere Krankenhausaufenthalte zur Folge.

Komplikationen

Gefährdet sind vor allem alte Patienten, chronisch Kranke und Abwehrgeschwächte. Wundinfektionen führen nicht selten zur Amputation der Gliedmaßen. In vielen Fällen kann es zur Sepsis kommen, die in über 50% tödlich endet. Je früher die Erkrankung erkannt wird umso höher liegen die Heilungschancen.

Prognose

Die Sterblichkeit kann bei Komplikationen und bei Risikogruppen über 50% betragen. Langzeitschäden sind normalerweise nicht zu erwarten (außer eventuell Amputationen).

Diagnostik

Besondere Bedeutung hat die Anamnese. Die Erreger können im Blut, Wundsekret oder Stuhl labordiagnostisch (direkt, indirekt und Kultur) nachgewiesen werden. Für die Kultur werden spezielle Nährmedien benötigt.

Differentialdiagnose

Andere bakterielle Darminfektionen, Blutvergiftungen anderer Art, Melioidose

Therapie

Bei schweren Verlaufsformen (bereits beim Verdacht) ist wegen des raschen und schweren Krankheitsverlaufs ein schneller Einsatz von Antibiotika notwendig, z.B. Doxycyclin und ein Cephalosporin der dritten Generation (z.B. Ceftazidim). Dies gilt auch, wenn die mikrobiologische Bestätigung noch aussteht. Kinder, bei denen Doxycyclin oder Fluoroquinolon kontraindiziert sind, können auch mit Trimethoprim-Sulfamethoxazol und einem Aminoglycosid behandelt werden. Bei Wundinfektionen müssen diese meist sehr schnell chirurgisch versorgt werden, eventuell kann es notwendig sein, die Wundränder und nekrotisierende Gewebe zu entfernen.

Prophylaxe

In den Verbreitungsgebieten sollte auf den Genuss von ungenügend erhitzten Meeresfrüchten verzichtet werden. In salzhaltigen Gewässern bei Temperaturen von über 20 °C auf das Baden beim Vorhandensein von Wunden (auch kleinere Schürfwunden) verzichten. Personen mit Hautverletzungen, chronischen Erkrankungen oder Immunschwächen sollten sich generell von Gewässern in denen Vibrio vulnificus nachgewiesen wurde fernhalten. Auf öffentliche Badeverbote ist unbedingt zu achten! Beachtung der Hygiene bei der Lebensmittelherstellung.

Immunisation

Eine Impfung gibt es nicht.

Meldepflicht

Verdacht, Erkrankung und Tod wegen möglicher schwerwiegender Folgen meldepflichtig nach IfSG §6, Abs. 1 Nr. 5.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS