Amöbiasis

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patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht



Englischer Begriff: Amebiasis

Erreger

Entamoeba histolytica, Morphologisch wird zwischen der pathogenen vegetativen Gewebsform (Magna-Form), der nicht pathogenen vegetativen Darmlumenform (Minuta-Form) und den Zysten als Dauerform unterschieden.

Verbreitung

Vor allem in den Tropen und Subtropen. Die Durchseuchung der Bevölkerung ist eng verbunden mit dem Stand der Gesundheitserziehung und dem Wohnungsstandard. Amöbiasis ist vor allem eine Erkrankung der ärmeren Menschen. In folgenden Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte ist eine Durchseuchung bis zu 90% bekannt:
In Afrika um die Hafenstädte Dar es Salam, Beira, Maputo, Luanda und in den Küstengebieten von Westafrika.
In Asien vor allem in Gebieten mit hoher Luftfeuchtigkeit in Bangladesh, Malaysia, Myanmar, Thailand und Vietnam.
In Amerika in den küstennahen Ballungsgebieten von Brasilien (Nord), Mexiko sowie in Teilen der mittelamerikanischen Staaten.

Übertragung

Fäkal-oral (kontaminierte Nahrungsmittel oder Getränke), durch verunreinigte Hände oder Fliegen

Inkubationszeit

Wenige Tage bis mehrere Wochen

Symptomatik

Akut blutig-schleimige Durchfälle (evtl. Himbeergelee-artig), anhaltender Stuhldrang u. ziehende Leibschmerzen besonders im Sigmabereich (evtl. walzenförmig tastbar), Hepatomegalie (auch ohne Amöbenhepatitis), Exsikkose, Elektrolytdefizit, Dysproteinämie, Anämie

Komplikationen

Colonperforation vor allem bei Abwehrschwäche (Corticosteroidtherapie, Alkoholkrankheit, Drogenabusus), Peritonitis, Blutung, intestinale Striktur, Invagination. Aus Ulcera können sich Amöbome bilden. Dies sind granulomatöse Tumoren, welche eine intestinale Passagebehinderung verursachen können. Weitere Komplikationen sind: Lungenabszeß, Pleuraempyem, Herzbeuteltamponade und hämatogene Streuung in Lunge oder Gehirn.

Eine besonders schwerwiegende Komplikation ist der Amöbenleberabszeß. Er kann einzeln oder multipel wenige Tage bis Jahre nach der Infektion auftreten. Nur bei etwa 30 % der Patienten sind Amöbenformen im Stuhl nachweisbar. Typische Symptome sind Hepatomegalie, Druckschmerz im rechten Oberbauch, anfänglich leichtes Fieber um 38°C, atemabhängige Schmerzen, rechtsseitiger Pleuraerguß, Gewichtsverlust und Nachtschweiß. Ikterus gilt als prognostisch ungünstiges Zeichen.
CAVE: Ruptur des Amoebenleberabszeß!

Prognose

Bei frühzeitiger Diagnose und Therapie in der Regel günstig

Diagnostik

Stuhl: Nachweis von Entamoeba-histolytica-Zysten und vegetativen Formen aus dem frischen, warmen Stuhl. Bei Versand nach Rücksprache mit dem Labor Konservierungslösung verwenden.
Blut: Nachweis spezifischer Antikörper im Serum, evtl. Leukozytose
Rekto-Sigmoidoskopie: Punktförmige Hämorrhagien, die evtl. konfluieren und mit schleimig-blutigem Sekret bedeckt sein können.
Bildgebende Verfahren: Sonographie: Bei intestinaler Verlaufsform unspezifische Zeichen der Kolitis, bei Ausbildung von Zysten sind diese in der Regel gut darstellbar
CT: evtl. zur Abgrenzung eines Abszesses
Röntgen-Thorax: Pleuraerguß bei zwerchfellnahem Abszeß möglich
Leberszintigraphie: Obsolet
Punktion des Abszess: Die Notwendigkeit einer ultraschallgesteuerten Punktion ist nur bei drohender Ruptur gegeben. Wegen der Gefahr einer Entleerung in die Bauchhöhle ist die Punktion kontrovers diskutiert. Das Punktat kann in einer bakteriellen Kultur verarbeitet werden.

Therapie

Intestinale Amöbiasis: Metronidazol
Die Therapie soll 3 Tage über den Zeitpunkt der Beschwerdefreiheit hinaus fortgesetzt werden.
Extraintestinale Amöbiasis (z.B. Amöbenleberabszeß): Metronidazol, evtl. in Kombination mit Chloroquin. Die chirurgische Therapie ist selten indiziert.
Sanierung der Darmlumenformen mit Diloxamid-Furoat

Prophylaxe

Vermeidung potentiell verunreinigter Nahrungsmittel oder Getränke, konsequenter Schutz der Nahrungsmittel vor Fliegen sowie gründliches Waschen der Hände mit Seife vor dem Essen.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS