Bolivianisches hämorrhagisches Fieber

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patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Krankheitsnamen:
Bolivianisches Hämorrhagisches Fieber
engl: Bolivian hemorrhagic fever (BHF), "black typhus"

Erreger

Machupo-Virus, Familie Arenaviridae, Genus Arenavirus

Verbreitung

Nordosten Boliviens (El Beni, Cochabamba und Santa Cruz)

Entwicklungszyklus, Pathogenese:
Zooanthroponose, natürliches Reservoir der Viren ist Calomys callosus (in Waldregionen lebendes Nagetier), bei den Tieren meist chronische asymptomatische Infektionen, erkranken nur selten (hämolytische Anämi und Totgeburten), scheiden die Viren mit dem Urin, Speichel und Kot aus.

Übertragung

Die Infektion des Menschen erfolgt über kontaminierte Lebensmittel und Wasser, über direkten Kontakt mit Nagern oder infektiösem Material (Einatmen aerolisierter Nagetierausscheidungen). Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist sehr selten und nur von Einzelfällen bekannt. Risikofaktoren: Beschäftigung in der Landwirtschaft in Endemiegebieten und im Labor, Häufiger in den trockenen Monaten April bis September.

Inkubationszeit

7- 14 (20) Tage

Symptomatik

Prodromal grippeähnliche Symptome wie Fieber, Unwohlsein, Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, schmerzloses Enanthem am Hals, Anorexie, Brechreiz, Erbrechen und Muskelschmerz. Zwischen dem 3. und 5. Tag kommt es zur Dehydrierung und Blutdruckstörungen. Unregelmäßiges Urinieren und Bradykardie (seltener Tachykardie) treten ebenfalls zu dieser Zeit auf. Nasenbluten (Epistaxis) und blutiges Erbrechen (Hämatemesis) treten früher auf (nach ca. 7 Tagen) als beim Argentinischen HF. Die hämorrhagische Phase ist gekennzeichnet durch das Auftreten von Petichiae am Oberkörper und der oralen Mucosa. Zusätzlich kann es zu einer Konjunktivitis kommen. Die Blutungen beginnen an der Nase, Zahnfleisch, Magen und im Intestinalbereich. Nach etwa 10 Tagen können die Beschwerden nachlassen. Neurologische Symptome treten deutlich weniger auf als beim Argentinischen HF.

Komplikationen

Bei schweren Verläufen ist in 30 % mit einer hämorrhagischen Diathese und in 50% mit zentralnervösen Störungen zu rechnen. Zusätzlich kann sich eine schwere Pneumonie entwickeln, hierbei ist die Sterblichkeit deutlich höher.

Prognose

Der Krankheitsverlauf wie bei den übrigen viralen hämorrhagischen Fiebern, jedoch milder. Inapparente Infektionen sind selten, Rückfälle scheinen vorzukommen. Sterblichkeitsrate 3 - 30 %.

Diagnostik

Leukopenie, Trombozytopenie, aktivierte Lymphozyten im peripheren Blut, mäßiggradige CRP-Vermehrung im Serum, evtl. Albuminurie und Abfall der Natriumserumwerte im Blutbild. Der Erreger kann während der Fieberphase aus Blut und Urin gewonnen werden. Nachweis elektronenmikroskopisch, kulturell und molekularbiologisch. Antikörper werden durch Komplementbindungsreaktionen, indirekte Immunfluoreszenz und ELISA (Enzyme-linked immunosorbent Assay) nachgewiesen.

Differentialdiagnose

Andere Hämorrhagische Fieber, in Abgrenzung zu den akuten Virushepatitiden ist der SGOT-Wert meistens höher als der SGPT-Wert.

Therapie

Die Therapie erfolgt meist supportiv. Zur spezifischen Therapie eignen sich Immunplasma (sehr selten vorhanden) und Ribavirin, dieses ist effektiv gegen das verwandte Junin Virus.

Prophylaxe

Ein Impfstoff steht noch nicht zur Verfügung, ist aber in der Erprobung. Die Viren werden effizient abgetötet bei UV-Licht, durch Trockenheit, durch 1 %-iges Sodiumhypochlorid oder durch 2 %-iges Glutaraldehyd.

Immunisation

Impfstoffe sind in der Erprobung (hauptsächlich die gegen das Junin-Virus).

Meldepflicht

Der Verdachtsfall wird dem regionalen Gesundheitsamt und dem Robert Koch-Institut gemeldet.

Achtung

Es handelt sich um V.a. Klasse IV-Erreger (Erreger von viralem hämorrhagischem Fieber) diese werden nur in Instituten mit S-4 Laboratorien untersucht. Bei entsprechendem klinischem Verdacht Kontakt mit u.g. S4-Einrichtungen aufnehmen, die Probe ankündigen und die Modalitäten des Transports besprechen.

Institut für Virologie, Universtät Marburg
Prof. Dr. H.-D. Klenk/ Dr. S. Becker
Robert-Koch-Str. 17, 35037 Marburg
Tel. 06421 286 6253 oder 286 5433
Handy außerhalb der üblichen Dienstzeiten: 0172-676 3502 oder 0173-444 3112

Bernhard-Nocht-Institut
Prof. Dr. H. Schmitz
Bernhard-Nocht-Str. 74, 20359 Hamburg
Tel. 040- 42 81 80 (24-stündige Rufbereitschaft)


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS