Tuberkulose

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht



Erreger

Mycobakterium tuberculosis, Mykobakterium bovis.

Verbreitung

Weltweit. 2 Milliarden Infizierte, jährlich 8 Millionen Erkrankungen und 3 Millionen Todesfälle.

Übertragung

Meist Tröpfcheninfektion, selten Schmutz- und Schmierinfektion.
Prädisposition: Niedriges (< 5) und hohes Lebensalter (> 65), Vorerkrankungen der Lunge, Abwehrschwäche, Grunderkrankungen, große Bevölkerungs- und Wohndichte, schlechte Ernährungslage.

Inkubationszeit

6 - 8 Wochen (Tuberkulinkonversion).

Symptomatik

Geschlossene - offene Formen. Kulturell oder kulturell und färberisch offene Formen. Neuinfektionen - Wiederinfektionen. Aktive - inaktive Formen.
Extrapulmonale Primärinfektion: Selten. Tonsillen, Halslymphknoten, Mesenteriallymphknoten und Ileozökalbereich.
Primärtuberkulose: Trockener Husten, später Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust. Kindesalter: Kompression der Bronchien mit Atelektasen. Kleinkinder: Atembeschwerden, aufgetriebener Bauch.
Miliartuberkulose (über hämatogene Streuung): Pulmonale, typhöse oder meningitische Form. Fieber, Tachykardie, Blässe, Cyanose mit schwerem Krankheitsgefühl. Unbehandelt letal.
Tuberkulöse Meningitis (über hämatogene Streuung): Anfangs Wesensänderung, später Kopfschmerzen, Erbrechen, Nackensteife und Abduzensparese. Unbehandelt letal, behandelt oft Spätschäden.
Pleuritis tuberculosa: Fieber, Dyspnoe und Reizhusten.
Peritonitis tuberculosa: Fieber, Bauchschmerz, Anschwellung des Abdomens und Aszites.
Hauttuberkulose: Papulöse oder papulonekrotische Effloreszenzen.
Postprimäre, extrapulmonale Tuberkulose (über hämatogene Streuung): Nach Monaten, Jahren oder Jahrzehnten Befall unterschiedlicher Organsysteme: Urogenitalsystem, Skelett, Haut, periphere Lymphknoten, Schleimhaut der oberen Luftwege, Kehlkopf, Enddarm, Nebennieren, Milz, Niere und Meningen. Symptomatik vielfältig.
Konnatale Tuberkulose (hämatogen über Plazenta oder Ingestion bzw. Aspiration infizierter Amnionflüssigkeit): Sehr selten. Erste Krankheitszeichen etwa einem Monat nach Geburt mit Fieber, Atemnot und Wachstumsstörungen. Hepatosplenomegalie und Otitis media.
AIDS: Von Tuberkuloseinfizierten entwickeln 5 - 10 % der Gesunden eine Tuberkulose, jedoch 50 % der HIV-Infizierten. Im Frühstadium der HIV-Infektion entspricht Symptomatik denen Gesunder. Mit fortgeschrittener HIV-Infektion Symptomatik atypisch oder auch fehlend.
Atypische Mykobakteriosen: Gehäuft bei Menschen mit Tumorerkrankungen oder HIV-Infektion auf.

Diagnostik

Bei Leistungsminderung, abendliches Fieber, Husten und Gewichtsverlust daran denken. Fehlen evtl. unter Immunsuppression.
Diagnosestellung mit Erregernachweis. Untersuchungsmaterial: Sputum, Bronchialsekret, Magensaft, Liquor, Urin, Stuhl, Punktate und Gewebeproben. Neugeborenes: Magenspülwasser, Liquor und andere Gewebsproben. Immunsupprimierte: Rasche und invasive Materialgewinnung. Immer Mikrobiologie und Histologie. Mikroskopisches Präparat - ein Tag. Kultur - 4 - 8 Wochen. Ggf. Tierversuch - mehrere Wochen. PCR, LCR und radiometrischen Meßmethoden (Bactec) - etwa 2 Wochen.
Zusätzlich Tuberkulinkonversion innerhalb 6 - 12 Wochen nach Infektion. Röntgendiagnostik.

Therapie

Initial Dreifachtherapie. Isoniazid (INH), Streptomycin (SM), Rifampicin (RMP) und Ethambutol (EMB). Darüber hinaus Pyrazinamid (PZA), Prothionamid (PTH) und Paraaminosalizylsäure (PAS). Ausreichend lange Therapie. Während Schwangerschaft Isoniazid, Ethambutol und Rifampicin, jedoch nicht Streptomycin. Konnatal infizierte Neugeborene dosisangepaßt therapieren.

Immunisation

Impfung nicht öffentlich empfohlen. Indiziert bei deutlich erhöhten Infektionsrisiko. Nach Impfung teilweiser Schutz vor Meningitis tuberculosa und Miliartuberkulose, nicht aber vor Infektion. Impfschutz: 5 - 10 Jahre. Kontraindiziert nach Tuberkuloseinfektion, bei HIV-Infektion, AIDS (auch Verdacht), anderweitige Schwächung der Abwehrlage (z.B. Medikamente, Rekonvaleszens), Hinweise auf epidemische Infektionen im Umfeld, andere Impfungen innerhalb vier Wochen, akute, entzündliche Erkrankungen und Hautleiden, Früh- und Mangelgeborene, Neugeborene < 2500g. Vor Impfung Tuberkulose ausschließen. Impfstoff enthält abgeschwächten bovinen Tuberkulosebakterien (Bacille Calmette Guerin - BCG). Impfung streng intrakutan. An Impfstelle Knötchen, geschwürig zerfallend. Selten BCG-Lymphadenitis mit Einschmelzung von Beckenlymphknoten kommen (1: 1000). Haut- und Augenaffektionen, Knochen- und Gelenksentzündungen, Lungenaffektionen, Schädigungen des ZNS und Todesfälle infolge vorbestehender Immundefekte. Tuberkulinreaktion innerhalb 6 - 8 Wochen für viele (z.T. über 20) Jahre positiv.

Meldepflicht

Erkrankung und Tod.

Achtung

"Atypische Mykobakterien" = "Nicht-tuberkulöse Mykobakterien" = "nontuberculous mycobacteria (NTM)" = "mycobacteria other than tubercle bacilli (MOTT)".


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS