Babesiose

verbreitung erreger inkubationszeit präpatenz
patenz symptomatik übertragung diagnostik
therapie prophylaxe komplikationen meldepflicht


Synonym(a)

Babesiasis, Piroplasmose, Rinder-Malaria, Texas Fieber, Rotwasserfieber,
Engl.: Babesiosis, human babesiosis, Piroplasmosis, Texas Cattle Fever

Erreger

Babesien (Piroplasmen - Sporozoa)
Europa B. divergens, B. bovis, B. microti, B. bigeminus und Typ EU1 (European Union 1).
USA B. microti, WA1 (Washington 1), CA1 (California 1) und MO1 (Missouri 1).

Verbreitung

Weltweit, nur wenig ist jedoch bekannt über die Prävalenz in Malaria-Gebieten.
Europa: meist B. divergens, B. bovis, B. microti, B. bigeminus und EU1.
USA: B. microti (Nordosten und mittlerer Westen), und WA1 (Washington und Kalifornien), CA1 (Kalifornien) und MO1 (Missouri). In den USA bekannte humane Fälle: Nantucket, Martha's Vineyard, Block Island in Rhode Island, Shelter Island und Teile von Long Island in New York, Cape Cod in Massachusetts, Connecticut und Wisconsin.

Übertragung

Zeckebiss (Nymphen und Adulte) und selten Bluttransfusionen. Babesia microti in Amerika durch Ixodes scapularis (black-legged deer tick) (=Ixodes dammini). B. divergens durch I. ricinus. Ixodes persulcatus ist als Überträger für Babesia microti in Russland und Deutschland nachgewiesen.

Entwicklungszyklus/Pathogenese:
Das Reservoir für Babesien stellen verschiedenen Säuger wie Nager und Rinder dar. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Zecken, die ebenfalls an diesen Tieren saugen. Die Zeckenlarven infizieren sich beim Saugen an infizierten Wirten (transstadial) z.B. an Mäusen. B. microti kann dann bis zu 10 Monate in der Zecke überleben. Beide Wirte (Nagetier und Zecke sind Notwenig für den gesamten Kreislauf von Babesien).

Inkubationszeit

1 - 4 (- 6) Wochen nach Zeckenbiss, bei Blut-Transfusionen bis zu 9 Wochen.

Präpatenz

1 Woche.

Patenz

1 Jahr

Symptomatik

Zwei Formen können tendenziell unterschieden werden:

1. meist schwerer Krankheitsverlauf mit oft tödlichen Ausgang vor allem in Europa bei Splenektomierten, hervorgerufen durch Babesia bovis und B. bigeminus.

2. meist asymptomatisch, milder oder selbstlimitierender Verlauf (oft auch bei Immunkompetenten) vor allem im Nordosten der USA, hervorgerufen durch Babesia microti.

Nach kurzem anfänglichen Unwohlsein treten rasch Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit (Anorexie), Müdigkeit, Schwitzen, abdominelle Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Myalgie, Fieber, Schüttelfrost, schwere hämolytische Anämie, Ikterus und akutes Nierenversagen auf. Darüber hinaus können vergrößerten Milz (Splenomegalie) und Leber, Lungenödeme, Hyperresthesie, Thrombozytopenie, erhöhte Lactatdehydrogenase und Bilirubin Werte und dunkler Urin durch die Hämoglobinurie auftreten. Durch die zerstörten roten Blutzellen kann es zu Kapillarblockaden in Milz, Leber, Niere und im ZNS kommen. Leukozytose tritt nicht auf. Ein charakteristischer Hautausschlag (Erythema Migrans) wie der Lyme Krankheit tritt bei der Babesiose nicht auf.

Komplikationen

Risikofaktoren sind erhöhtes Alter, männliches Geschlecht, hohe Leukozytenzahlen, hohe alkalische Phosphatase Werte, fehlende Milz. Gleichzeitig mit der Babesiose tritt oft die Lyme Krankheit auf.

Prognose

Bei immunkompetenten Personen oft selbstlimitierend. Kann bei gefährdeten Personen aber auch zum Tode führen.

Diagnostik

Vorgeschichte bei milzexstirpierten oder immunsupprimierten Patienten mit unklarem Fieber, Anämie und eventuell Hämaturie bei Zeckenstich sollten hinweisend sein. Am bedeutendsten sind peripherer Blutausstrich und dicker Tropfen (mehrmalig) mit Giemsa-Färbung und mikroskopischer Untersuchung (charakteristisch sind die als Malteserkreuz bezeichneten Tetraeder). Serologische Verfahren mit IFA, IIFT, ELISA und IHA und molekulare Verfahren wie PCR sind in der raschen Diagnosestellung nachrangig. Die Diagnose kann auch durch intraperitoneale Verimpfung von Patientenblut an Hamstern mit anschließenden Nachweis erfolgen.

Differentialdiagnose

Andere intraerythrozytäre Patogene wie Plasmodium falciparum, Bartonella ssp..

Therapie

Eine zufriedenstellend wirksame Therapie existiert nicht. Neben der symptomatischen Therapie finden Blutaustausch, Chinin & Clindamycin plus Pyrimethamin sowie andere Substanzen (z.B. Atovaquon plus Azithromycin) Anwendung.

Prophylaxe

Vermeidung von Zeckenbissen.


Erstellt am 12.5.2015 - ©2002 DRTM/MTTS